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Abstimmung des Bogens

Hier liefern die gängigen Internetquellen gute Dienste, wie der Easton Tuning Guide von Easton Archery, dem weltgrößten (aber bei weitem nicht einzigen guten) Pfeilhersteller. Ebenfalls sehr ausführlich ist das Buch von Bachmann und Ulrich "Mit System ins Gold". Und nicht vergessen sollte man die Verfahren nach  Berger und Gabriel.

Deshalb sollen hier nur ein paar Worte folgen.

Was ist unter "Abstimmung" oder "Tunen" des Bogens zu verstehen? Nun, es sind im Wesentlichen 2 Aspekte, die eingestellt werden sollten: der Nockpunkt und der richtige Pfeil. Beim "richtigen Pfeil" geht es hauptsächlich darum, die zum System Bogen + Schütze richtige Biegesteifigkeit ("Spine") zu ermitteln. Ein schlecht abgestimmtes System kann keine guten Gruppierungen hervorbringen. Warum dies so wichtig ist, verdeutlichen Videos. Unbedingt Anschauen, bevor weitergelesen wird!

Letztendlich geht es im Wesentlichen darum, (a) einen sauberen Pfeilflug zu erreichen, der (b) eine gute Gruppierung der Pfeile ermöglicht.

Mit der Einstellung des Nockpunkts kann man der Auf- und Abwippen des Pfeils in den Griff bekommen. 
Der richtige Spine sorgt dafür, das der Pfeil nicht "schwänzelt" und sich schnell stabilisiert.

Weiterhin kann man am Tiller, der Standhöhe, dem Stabilisierungssystem und an einem guten Dutzend anderen Parametern wie dem Spitzengewicht der Pfeile, der Befiederung, der Strangzahl und dem Material der Sehne, den Wurfarmen und dem Mittelteil selbst etc. herumexperimentieren, bis man seine perfekte Abstimmung für einen guten Pfeilflug und eine gute Gruppierung gefunden hat. Und wenn dann der Bogen auch noch schön leise ist, war das die Mühe wert!

Ein paar Worte zum Finden des richtigen Pfeils: es reicht nicht aus, in die Tabellen des Pfeilherstellers der Wahl zu schauen und sich hier im vorgegebenen Raster aus Zuggewicht und Pfeillänge das vorgeblich passende Material auszuwählen. Diese Tabellen sind nur ein grober Anhaltspunkt und gehen nicht auf die individuellen Parameter des Schützen ein. Beispiele? Nun, es spielt eine Rolle, welche Wurfarme die Arbeit verrichten. Arbeiten sie effektiv oder werfen sie wie eine nasse Nudel? Was für eine Sehne wird geschossen? Fast Flight oder Hosengummi? Wie löst man, eher passiv oder aggressiv? Liege ich mit meinem Spitzengewicht im vorgesehenen Rahmen? Dies ist nur eine kleine Auswahl an Parametern, die eine Tabelle nicht berücksichtigen kann. Letztlich hilft nur eines: zum Händler des Vertrauens gehen und dort die Pfeilauswahl diskutieren. 

Tipp: wenn die Pfeile vernünftig abgestimmt sind, fliegen auch Pfeile mit Naturfedern bei Regen, wenn die Federn klatschnass und scheinbar hilflos am Pfeil anliegen, immer noch einwandfrei!

Es gibt allerdings kein "Wunderrezept". Man muss sich an die beste Abstimmung herantasten und schon einige Stunden dafür kalkulieren.

Anfängerbogen werden gerne nach dem Motto ausgestattet: "one spine fits all". Natürlich ist hier eine individuelle Abstimmung nicht möglich, und die Pfeile "eiern" manchmal ziemlich durch die Luft. Das ist aber kein echter Nachteil. Denn: die Abstimmung sollte auf die Leistungsfähigkeit des Schützen angepasst sein. Wenn sich mit veränderter Technik z. B. der Auszug oder der Ankerpunkt ändert, ist in der Regel eine erneute Abstimmung nötig. Deshalb: bevor kein gefestigter Schießstil vorliegt, macht ein Tunen (Feintuning) keinen Sinn. 

Und wenn der Stil passt, ist der Anfängerkurs vorbei und der Schütze holt sich seinen eigenen Bogen, der dann in aller Ruhe angepasst werden kann.

 

Ein paar Worte noch zum Button, da dieses "Wunderwerk" oft nicht richtig verstanden ist

Sucht mal nach "Archers paradox" und schaut die Videos von Werner Beiter an, wie sich ein Pfeil beim Abschuss verhält. Ihr werdet sehen, dass sich der Pfeil durchbiegt. Deshalb ist es wichtig, einen Pfeil zu schießen, der die richtige Steifheit (in der Fachsprache: den richtigen Spine) aufweist. Jetzt ist es aber so, dass es die Pfeile nur in bestimmten Spinewerten gibt, da die Hersteller kein beliebig großes Sortiment herstellen und vorhalten können. Also muss man mit den vorhandenen Spinewerten arbeiten und einen grob passenden Pfeil auf seinen Bogen und seinen Schießstil feinabstimmen, damit er den Bogen gerade nach vorne verlässt.

Dazu gibt es recht viele Variablen: man kann das Zuggewicht verändern, mit der Standhöhe oder der Sehne selbst variieren, das Spitzengewicht des Pfeils hat einen Einfluss, die Länge des Pfeils, ja sogar die Befiederung (und eigentlich noch mehr, das war jetzt eine Auswahl wichiger Einflussgrößen). So und jetzt kommt der Button ins Spiel: wenn man all diese Parameter soweit auf sich angepasst hat, dann kann man mit dem Button das letzte bisschen Feinabstimunng durchführen. Der Button arbeitet hier als variable horizontale Pfeilanlage, er wird beim Abschuss mehr oder weniger stark nachgeben (je nach Einstellung).

Machen wir einen kleinen Sprung zurück: gehen wir davon aus, dass kein Button vorhanden ist und eine harte Pfeilanlage existiert. Schau Dir noch mal die Videos an und verinnerliche, was "Archers paradox" bedeutet. Der Pfeil biegt sich. Diese Biegung muss nun genau so bemessen sein, dass der Pfeil sich, ohne am Bogen anzuschlagen, um diesen "herumwindet". Bei einer "harten" Pfeilanlage muss die Grundabstimmung passen, der Spine des Pfeils muss zum Bogen passen, sonst schepperts. Klar soweit, denke ich. Mit dem Button führt man nun eine weitere Verstellmöglichkeit ein. Stell Dir vor, der Pfeil wäre etwas zu steif für den Bogen mit harter Pfeilanlage. Der Pfeil würde also bei einem RH-Schützen nach links abhauen. Wenn man nun aber die Pfeilanlage etwas "weicher" gestaltet, d.h. flexibler, man also einen Button einschraubt, dann kann man den Pfeil damit wieder etwas nach rechts "ziehen", den nicht ganz passenden Spine also ausgleichen. Umgekehrt, d.h. mit zu weichen Pfeilen, funktioniert das genau so.

Aber wie gesagt: der Button steht, was Tuningmaßnahmen angeht, recht weit hinten. Einen grob nicht passenden Pfeil kann man damit nicht sauber zum Fliegen bekommen.

Eines noch: klar, mit dem Button kann man auch die "Centerstellung" des Pfeils regulieren, das ist das Maß, wie weit der Pfeil in das Bogenfenster reinschaut. Aber das ist nicht sein Hauptzweck, das geht auch mit 'nem Stück Eisen.