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Investitionen...

... oder die Frage, wie viel Geld muss ich in eine Ausrüstung pumpen?

Nun, die Bogensportindustrie bringt jedes Jahr neue Modelle heraus (Wurfarme, Mittelteile und Pfeile sind die wichtigsten und teuersten Komponenten, es geht beliebig weiter über Visiere, Stabis und so weiter), und es stellt sich die Frage, was davon ist gut und anschaffenswert? Nach welchen Kriterien wählt man aus und muss man jedes Jahr neues Material kaufen? Muss ich das gleiche Material schießen wie der Olympiasieger, der zudem seine Ausstattung von den großem Herstellern gesponsort bekommt?

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass die heutigen Bogen keinerlei Unterschiede aufweisen, was die Präzision des Materials an sich angeht, eine vernünftige Abstimmung und Technik des Schützen natürlich vorausgesetzt. In der Tat, alleine aus diesem Gesichtspunkt heraus ist es eigentlich egal, welchen Bogen man schießt. Zumindest der Freizeitschütze wird keine Unterschiede herausfinden können.

Völlig anders sieht es dagegen aus, wenn man das Gefühl des Schützen mit einbezieht. Hier gibt es deutliche Unterschiede. Als erstes bei den Wurfarmen: die aktuellen Vollsynthetikmodelle mit allen möglichen technischen Raffinessen (oder zumindest Werbeversprechen) lassen sich in der Tat angenehmer ziehen als die alten Holz-Fiberglas-Systeme. Dies gilt insbesondere für Schützen mit langem Auszug - aber wiederum nicht bei allen WA-Modellen. Ein direkter Vergleich offenbart hier deutliche Unterschiede. Manche Wurfarme lassen sich weich ziehen, andere sind schnell, wieder andere schwingen wenig nach und manchmal treffen sich diese Eigenschaften auch so leidlich in einem System.

Das Mittelteil wird heute immer mehr in die Dämpfung der beim Abschuss entstehenden Schwingungen mit einbezogen. Carboneinlagen bei einigen Modellen (oder auch Vollcarbon) sind ein nach außen hin sichtbares Zeichen dafür. Ansonsten ist hier die Griffform einer der entscheidenden Faktoren bei der Auswahl für eine gute Bequemlichkeit (und damit einen sicheren Schuss). Hier kann man aber meist selbst noch Hand anlegen und den Griff für sich optimal anpassen.

Wo wir gerade bei der Schwingungs- und Geräuschdämpfung sind: die Stabilisierung arbeitet hier mit. Ein gutes System muss nicht teuer sein. Auch, wenn der Bogenhändler gerne die neuesten Stabis verkaufen will, für den normalen Freizeitschützen ist es ziemlich egal. Die Stabilisierung sollte man aber immer am eigenen Bogen ausprobieren und nicht blind kaufen! Hier sollte das Gefühl das wichtigste Kriterium sein (manchmal kann man auch mit der Gruppierung etwas optimieren), und manchmal reicht eine kleine Modifikation aus, um das System zu optimieren. Letztlich kommt viel auf die richtige Kombination Mittelteil-Wurfarme-Stabilisierung (usw.) an. Hier ist etwas Ausprobieren angesagt, wofür man sich beim Händler des Vertrauens ruhig etwas Zeit lassen sollte. Aber nicht vergessen: eine Stabilisierung kann keine Wunder bewirken, sondern bringt nur Masse auf den Bogen und vergrößert das Trägheitsmoment. Und sie dämpft nach dem Abschuss die Schwingungen. Nicht mehr. Gut, ein "Mehr" wird immer wieder diskutiert, ist aber nur schwer zu fassen.

Bei den Pfeilen sollte man auf ein vernünftiges Preis/Leistungsverhältnis schauen. Es muss nicht immer der Easton X10 für gut 40 Euro für den Komplettpfeil (inklusive der für harte Scheiben unbedingt erforderlichen Wolframspitze!) sein. Hier sollte man auf die aktuellen Modelle achten und seine Auswahl treffen. Mit einer kleinen Einschränkung: die Toleranzen der Pfeile spielen durchaus eine Rolle. Hier sollte man schon auf Präzision achten, wenn man leistungsorientiert schießt. Für den Freizeitschützen aber... naja. Ein Tipp noch: leichte (Carbon-) Pfeile ermöglichen es, auch größere Distanzen mit einem schwächeren Bogen zu schießen.

Die Pfeile brauchen eine Pfeilauflage. Auch von Topschützen werden mitunter die preiswerten weißen Plastikklebeauflagen eingesetzt. Diese können sich in sommerlicher Hitze aber leicht ablösen. Es lohnt sich, über eine fest angeschraubte Magnetauflage nachzudenken.

Das Visier soll nur einen festen Punkt im Blickfeld des Schützen liefern. Hier ist auf eine gute Verstellbarkeit und Verarbeitung zu achten, aber man muss kein Vermögen ausgeben. Nur, klappern soll und darf nichts. Zu viele Schrauben sind eher hinderlich.

Ähnliches gilt für den Button. Der Beiter-Button ist als bester Button auf dem Markt bekannt, und sein Geld sicherlich wert. Doch andere Modelle tun es für den reinen Hobbyschützen auch. Doch wenn ein Leistungsanspruch dazukommt, sollte der Faktor "Material" weitgehend ausgeschlossen werden - und dies gilt nicht nur für den Button!

Das war es im Wesentlichen, zumindest, was den teuren Teil angeht.

Eines noch: manchmal findet man preisgünstige Nachbauten bekannter Marken. Manchmal stimmt dabei die Qualität, manchmal nicht. Hier sollte man den Händler des Vertrauens um die aktuellen Infos bemühen.

"Halt!" mag da mancher rufen. Was ist mit der Sehne, dem Klicker, dem Köcher und dem ganzen anderen Kleinkram?

Sehnen wickelt man sich am besten selbst oder fragt jemanden, der es kann, damit man es selbst lernt. Dann bekommt man genau das, was man will. Hier stellt sich allerdings schon die Frage nach dem Material: Dacron für Bogen mit Holzmittelteil, Fast Flight, oder ein noch moderneres Garn?

Der Rest... na ja. Man kann auch hier viel Geld ausgeben oder nicht. Wer aber ein gutes und zuverlässiges System haben möchte und außerdem "vorne" mitschießen möchte, kommt um ein paar grundlegende Investitionen nicht herum. Diese Investitionen zahlen sich aber langfristig aus, denn so oft braucht man keinen neuen Bogen. 

Manche der neuen technischen Spielereien sind durchaus ein Ausprobieren und den anschließenden Kauf wert. Nicht alles, was modern ist, ist unnötig. Aber jedes neue Stück Ausrüstung ist zumindest eine nähere und eventuell auch kritische Betrachtung wert.

Manchmal ist es verblüffend zu sehen, mit welchem "primitiven" und vermeintlich veraltetem Material manche Topschützen unterwegs sind und Traumergebnisse schießen, wenn sie nicht gesponsort werden... Material ist eben nicht alles.

 

Man sagt (durchaus zu recht), dass das Material nur zu 10% Einfluss auf die Präzision hat, der Rest kommt vom Schützen selbst. Aber: die 10% Material müssen zu 100% stimmen, sonst wirds nix!