Checkliste Bewegungsablauf
Recurvebogen mit Visier
(Für RH, LH vertauschen R und L)
Erstellt von Matthias Bauerfeind. Zu vielen Punkten gibt es
alternative Meinungen, es gibt nicht den richtigen Ablauf, jeder Schütze
muss seinen persönlichen Stil finden, u. A. abhängig von der eigenen Anatomie. Dies
hier kann und sollte daher nur eine grobe
Orientierung sein.
Für weitergehende Informationen sei die gängige Literatur empfohlen.
Allgemeines
Gerade am Anfang ist eine saubere Technik wichtiger als
eine gute Gruppierung der Pfeile, die sich dann mit der Zeit automatisch
einstellen wird. Aber bei einer schlechten Technik wird das langfristig nie was.
Der Pfeil fliegt auch bei einer schlechten Durchführung
"mal ins Ziel". Aber eben nur einmal. Nur mit einer sauberen,
reproduzierbaren Bewegung erreicht man auch langfristig gute Gruppierungen der
Pfeile! Außerdem ist das dann auch gelenkschonender...
Ach ja: Bogenschützen sind eigentlich faule Leute. Deshalb
wird jede Bewegung mit so wenig Muskelaufwand wie möglich durchgeführt. Das
schont die Kondition für lange Turniertage.
So, nun gehts los.
Stand (Füße, Beine, Hüfte)
Die Verbindung der Spitzen der Füße zeigen zur Scheibe
(bzw. einige Grad links vorbei).
Füße schulterbreit auseinander und gleichmäßig
belasten, dabei auch Ballen und Ferse gleichmäßig belasten, etwas mehr Druck
auf den Ballen.
Knie gerade, aber nicht durchgestreckt.
Muskeln anspannen, ohne zu verkrampfen, um Stand zu
stabilisieren.
Hüfte: waagrecht, aufrechter Stand. Nicht abknicken
(Gewehrstand).
Aus Asien: "Der Stand muss sein wie ein Fels: unverrückbar."
Erweiterung: "... aber auch bequem."
Oberkörper
Gerader, aufrechter Stand. Bauchmuskeln ggf. leicht
anspannen, um Stand zu fixieren.
Obere Wirbelsäule und Verbindung der Schultern bilden
einen rechten Winkel ("großes T"). Lieber ein paar Grad nach vorne (in
Richtung Scheibe) neigen als zurückfallen!
Bogenarm, -hand
Sicheren Griff am Bogen suchen. Druckpunkt im Bereich
Daumenballen suchen.
Bogenarm gerade, ohne Ellenbogen durchzudrücken. Eine
leichte Beugung ist möglich. Eine gerade Kraftlinie Bogen - Griff - Hand -
Unterarm - Oberarm wird angestrebt, um möglichst wenig Muskelarbeit zur
Stabilisierung aufwenden zu müssen.
Beim ersten, leichten Anspannen der Sehne Griff überprüfen.
Ellenbogen aus der Sehnenbahn drehen!
Zugarm, -hand
Pfeil einnocken: unter Nockpunkt (bzw. dazwischen bei zwei
Nockpunkten),
Leitfeder (die eine andersfarbige Feder) vom Bogen weg.
Griff an Sehne: Zeigefinger über, Mittel- und Ringfinger
unter Sehne.
Sehne zwischen erstes und zweites Fingerglied legen. Ein
tiefer Griff ("Haken") ist besser, als die Sehne auf den Fingerkuppen zu
balancieren. Dann ist das spätere Lösen einfacher!
Auszug: typische Gewichtsverteilung: 50 % auf Mittelfinger,
Rest auf andere Finger verteilen. Ist schwer zu fühlen, nur so als grobe
Orientierung.
Auszug
Bogenarm ausstrecken und zur Scheibe zeigen lassen.
Bogenhand: Finger locker um Bogengriff legen.
Ellenbogen der Zughand auf Schulter- bis Augenhöhe heben
Bogenschulter verriegeln: leicht absenken. Schulter darf
nicht hoch stehen. Begründung: wenn die Schulter hoch steht, ist ein Knick in
der Kraftlinie, was das Gelenk auf die Dauer übel nimmt.
Zugarm nach hinten führen. Zügig nach hinten gehen, aber nicht reißen. Ankerpunkt
schnell finden.
Aufpassen: Pfeil darf beim Auszug nicht über Scheibenoberkante
zeigen (Sicherheit).
Wieder ein Spruch aus Asien: "[...] Ziehe an der Sehne, als wolltest Du einen Tiger am Schwanz
aus seiner Höhle ziehen." Genau so. Stark und kontrolliert.
Anker
Ein Anker muss fest sein und reproduzierbar!
Typisch: Kinn- Nasenanker: Sehne bis ans Kinn ziehen, Nase
sanft an Sehne legen. Alternativen sind je nach persönlicher Gesichtsgeometrie möglich.
Zeigefinger der Zughand liegt fest unter dem Kinn! Bilder von Topschützen
untermauern dies, wer es nicht glauben mag.
Anker ca. 2-4 Sekunden halten, dabei Haltung, Sehnenschatten etc.
überprüfen. Zeit lassen!
Im Idealfall liegen Pfeil und Unterarm des Zugarms in einer
Linie, das ist aber anatomisch bedingt nicht für jeden Schützen machbar.
Tipp: den kleinen Finger der Zughand auf das Brustbein
legen. So kommt die Zughand automatisch in die richtige Position!
Lösen
Zug langsam erhöhen, Rückenspannung erhöhen, Schulterblätter
zusammenbringen. In Gedanken immer weiter ziehen, auf keinen Fall dran
denken "Ich bleibe stehen". In diesem Moment drückt der Bogen den
Schützen zusammen und man hat keine Chance, die Spannung wieder aufzubauen.
Die Finger der Zughand aufgehen lassen, nicht aktiv öffnen!
Die Sehne "fallen lassen".
Spannung an Zughand aufrechterhalten, Zughand nach dem Lösen
am Gesicht halten oder gerade (in Verlängerung des Pfeils) dicht am Unterkiefer
nach hinten führen.
Nicht "Harfespielen" oder nach vorne lösen (kriechen). Tipp: nach dem Schuss über den
Nacken streichen.
Bogenarm: Spannung halten!
Bogenhand: Finger nur anspannen, nicht zuschnappen!
Alternativ: Finger- oder Bogenschlinge.
Nachhalten
Nach dem Schuss: Körperhaltung und Körperspannung beibehalten, bis Pfeil im Ziel
ist. Mindestens 2-3 Sekunden!
Ganz wichtig: Schussablauf in Gedanken erneut durchgehen. Was lief gut,
was kann noch verbessert werden? Die Trefferlage ist nicht alles, das Gefühl
beim Schuss ist stets mitentscheidend! Im Training ist es ziemlich egal, wo der Pfeil
landet.